Fachliche Ausrichtung

Unser ganzheitliches Gesundheits- und Betreuungsmanagement bildet die Basis für Lebensqualität und Leistungsfähigkeit.

Dabei nutzen wir wissenschaftlich fundierte Methoden und Erkenntnisse aus der Pädagogik, Psychologie, Psychotraumatologie, kognitiven Neurowissenschaft mit Weisheitstraditionen, interdisziplinärem und störungsspezifischen Fachwissen.

Wir richten uns nach den individuellen Stärken, Fähigkeiten und Fertigkeiten unter Berücksichtigung der jeweiligen Biographien,  aller Entwicklungsphasen, Betonung altersspezifischer Ressourcen und Symptome sowie Einbeziehung des sozialen Umfeldes der Betreuten.

Transparenz von Betreuern und Partizipation der Betreuten in allen Bereichen des Zusammenlebens ist die Grundlage unserer Arbeit. Nachfolgend beschreiben wir beispielhaft die (trauma-)pädagogischen Ansätze, Methoden und Herangehensweisen unserer Arbeit, die sich an den Bedarfen und Bedürfnissen unserer Zielgruppe orientiert.

  1. Betreuungssystem

    Die Basis für eine gelingende Betreuungsarbeit ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Betreuern und Betreuten

    Diese kann durch Kontinuität von verlässlichen, kompetenten, festen Bezugspersonen aufgebaut werden, deren Arbeit geprägt ist von einer humanistischen, ganzheitlichen Grundeinstellung mit liebevoller Zuwendung bei gleichzeitiger konsequenter Haltung und professioneller Distanz. Die Betreuer stehen als Sozialisationspartner zur Verfügung.

    Wertschätzende und respektvolle Umgangsweisen zwischen den Fachkräften des Trägers und den Betreuten werden gefördert.

    Die Qualität längerfristiger stabiler Beziehungen fördert die sozialen Beziehungen und die soziale Interaktion der Betroffenen.

    In unserem transparenten Arbeitsstil teilen wir den Betreuten anstehende Schritte mit und beteiligen sie an der Hilfeplanung und am Hilfeprozess. Es werden gemeinsam Ziele erarbeitet. Wir fördern in unserem ressourcenorientierten Ansatz die Fähigkeiten und Stärken der Betroffenen; Auseinandersetzen mit wichtigen Lebensthemen sowie Reflektieren der eigenen Verhaltensmuster werden in Gesprächen thematisiert.

    Die intensive Betreuungsarbeit soll die Basis für eine langfristige, positive Entwicklung der Betreuten ermöglichen.

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  2. Alltagspädagogik

    Hierbei nutzen wir überwiegend Elemente der klientenzentrierten Gesprächsführung sowie Elemente aus der Verhaltensmodifikation.

    Die Phase der Verselbstständigung und der Lebensplanung ist gerade bei jungen Menschen durch diverse Einflüsse und grundlegende Fragestellungen wie z.B. Berufswahl, Partnerschaft geprägt. Durch die zusätzlichen psychischen Belastungen und Symptomatiken kann das erfolgreiche Durchlaufen dieser Phasen beeinträchtigt sein, welche sich durch Frustration, Orientierungs- und Perspektivlosigkeit manifestiert. Meist kommen Probleme und Konflikte mit der sozialen Umwelt hinzu.

    Dagegen steuern soll eine Alltagspädagogik mit sinnstiftenden und wiederkehrenden Handlungsabläufen und Ritualen, die Sicherheit und Orientierung verschaffen soll.
    Gemeinsam er­ar­beiten wir Strategien zur Bewältigung von Konflikten mit der sozialen Umwelt in Form von Problemlösetraining und Konfliktmanagement. Wir bedienen uns Methoden der Lebenszielanalyse (Ist-Zustand erheben und prüfen, Änderungswünsche erheben, Strategien für typische Widerstände etc.), der Diagnostik der Lebenszielproblematik (Art, Ursache und Konsequenzen) sowie der Lebenszielplanung (Soll-Zustand erarbeiten, Zielplanung bei fehlenden, zu vielen, irrationalen, widersprüchlichen Zielen, Zielhierarchie erstellen, Zeit- und Energieverteilung bestimmen, Strategien für typische Widerstände).

    Ziel ist die Steigerung der Alltagskompetenz wie auch die Stabilisierung der Betreuten.

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  3. Individualität

    Unsere Zielgruppe erfordert oft eine individualpädagogische Herangehensweise in der Betreuung.

    Durch die ausführliche Anamnese, die vor Aufnahme bei uns durch unsere Psycholog_innen durchgeführt wird, erfahren wir auch meist die vorherrschenden Symptome. Wir versuchen durch eine individuelle Vorgehensweise, Trigger, Dekompensationen und unkontrollierte Dissoziationen zu vermeiden. Wir erstellen kein starres Regelwerk, an welches sich die Betroffenen anzupassen haben, sondern suchen gemeinsam nach Lösungen, die die Ressourcen der jungen Menschen erkennen und fördern und somit eine positive Entwicklung angeregt wird.

    Viele unserer Betreuten bringen schon Therapieerfahrung mit und haben schon mehrere Klinikaufenthalte (offene sowie geschlossene Unterbringungen) hinter sich. Unter Berücksichtigung der Krankheitsgeschichte und bereits stattgefundener Interventionen, passen wir unsere Arbeit mit den Betreuten an.

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  4. Stabilisierung

    Stabilisierungsarbeit ist von großer Bedeutung bei unseren Betreuten und ist Hauptbestandteil unserer täglichen Arbeit.

    Hier geht es um die äußerliche und innere Sicherheit sowie die Sicherheit in den pädagogischen Beziehungen. Bei einer ausführlichen, altersentsprechenden Psychoedukation sprechen wir offen mit unseren Betreuten über psychische Störungen und deren Folgen. In Gesprächen werden Ursachen, Symptome der Störungsbilder und Interventionsmöglichkeiten vermittelt. Das Verstehen und die Zusammenhänge von Verhaltensweisen und Symptomatiken der psychischen Störungen schafft oft Erleichterung für die Betroffenen und wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Das Verständnis füreinander wird gefördert; ein Erfahrungsaustausch mit den Betroffenen wird angeregt und somit die Betreuungsarbeit nachhaltig gestaltet.

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  5. Ressourcenaktivierung

    Bei unserer Herangehensweise werden die traumatischen Erlebnisse selbst nicht in den Vordergrund gerückt, und der Blick wird nicht auf das Schwere gerichtet, sondern liegt auf den Ressourcen.

    Wir wissen, dass das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, mehr Raum und Bedeutung gewinnt als der Rest. Deshalb legen wir bei unserer Arbeit den Fokus auf die Ressourcen, die Fähigkeiten und Selbstheilungskräfte der Betroffenen, anstatt auf die Defizite. Menschen, die sehr Schweres, Lebensbedrohliches erleben mussten und überlebt haben, haben immer Wege und Fähigkeiten entwickelt, wie sie mit dem Schweren umgehen können – sonst würden sie nicht mehr leben. Deshalb erfragen und beobachten wir die Möglichkeiten, einzigartigen Kraftquellen, Problem- und Lösungswege, die die Einzelnen entwickelt haben, um mit und nach dem Trauma leben zu können unter Einbeziehung des vorhandenen Wissens über psychische und körperliche Zusammenhänge.

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  6. Tag-Nacht-Rhythmus / Tagesstruktur

    Ein großer Teil unserer Betreuten leidet an Störungen des zirkadianen Rhythmus sowie einer Einschränkung der Alltagskompetenz.

    Der endogene Schlaf-Wach-Rhythmus und der äußere Licht-Dunkel-Zyklus laufen versetzt ab. Oft führt diese Insomnie zu exzessiver Schläfrigkeit tagsüber; hinzu können hormonelle Veränderungen sowie Übelkeit, Unwohlsein, Reizbarkeit auftreten. Auch treten gehäuft Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen auf.

    Um diesen Problematiken entgegenzusteuern, versuchen wir gemeinsam mit den Betreuten an einem strukturierten Tagesablauf zu arbeiten. Dieser soll gekennzeichnet sein mit immer wiederkehrenden Ritualen, Regeln, Aufgaben und Standardsituationen, die Sicherheit und Orientierung geben und der Erfüllung der Grundbedürfnisse dienen. Regeln können erlernt und ausprobiert werden, wir bieten dafür einen geschützten Rahmen und ein Lernfeld für Beziehungsgestaltung.

    Wir versuchen die Alltagskompetenz zu fördern, indem wir die jungen Menschen in die Alltagsanforderungen mit einbeziehen. Die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die aktuelle Syptomlage der Betreuten sind hier das Maß der Einbeziehung. Mit Unterstützung der Betreuer übernehmen die jungen Menschen so viel wie möglich der anfallenden Alltagsanforderungen selbst.

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  7. Bildung und Beruf

    Unterstützung in schulischen/beruflichen Belangen

    Wir begleiten und fördern die jungen Menschen bei ihrem Schulbesuch bzw. ihrer Ausbildung bzw. beruflichen Tätigkeit, damit sie den Anforderungen besser gewachsen sind.

    Hausaufgabenbetreuung sowie Vor- und Nachbereitung der schulischen/beruflichen Themen sind Teile der Alltagsstruktur.

    Eine weitere Aufgabe des Trägers ist, darauf hinzuwirken, dass die Betroffenen eine Chance zur beruflichen Integration erhalten. Diese umfasst insbesondere berufliche Orientierung, Berufsfindung und Berufsvorbereitung sowie Entscheidung über die geeignete Ausbildungs- oder Arbeitsstelle durch entsprechende Leistungsangebote. Somit wird Arbeitslosigkeit vermieden und Benachteiligungen abgebaut.

    Weitere Arbeitsschwerpunkte sind Arbeitsmotivation, Selbstbild, Stressbewältigung und Frustrationstoleranz.

    Eine gute Zusammenarbeit mit den (Ausbildungs-)Betrieben ist Bestandteil unserer Netzwerkarbeit.

    Hausbeschulung/Bildungsmaßnahmen

    Oft sind unsere Betreuten aufgrund der vorliegenden psychiatrischen Störungsbilder und den damit zusammenhängenden Symptomen und Verhaltensweisen nicht in der Lage, an einem regulären Schulunterricht teilzunehmen bzw. einer Bildungsmaßnahme nachzugehen.

    Eine individuell angemessene Beschulung bzw. Bildungsmaßnahme, die die vorliegende Erkrankung mitberücksichtigt, wird gemeinsam gesucht und erprobt. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die jungen Menschen Zuhause beschult werden.

    Unsere Betreuten haben in der Regel eine 35a-Anerkennung; einige haben bereits einen Schwerbehindertenausweis oder zumindest einen Feststellungsbescheid über eine Schwerbehinderung. Dadurch ist der Zugang zu speziellen Bildungsmaßnahmen erleichtert. Wir arbeiten mit den Reha-Abteilungen der Agentur für Arbeit zusammen; angestrebt werden hierüber beispielsweise theoriereduzierte Ausbildungen.

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  8. Abhängigkeiten

    Viele unserer Betreuten haben bereits Erfahrung mit unterschiedlichen Drogen gemacht.

    Wir unterscheiden zwischen stoffgebundenen (z.B. Alkohol, Cannabis) und nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten (z.B. pathologisches Spielen, Internetabhängigkeit). Wir arbeiten in diesem Bereich sowohl präventiv als auch kurativ - gemeinsam mit den jeweils zuständigen Beratungsstellen und Entzugskliniken.

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  9. Medikamente

    Der überwiegende Teil unserer Betreuten nimmt täglich Psychopharmaka ein.

    Diese sind meist Antipsychotika, Antidepressiva sowie Bedarfsmedikationen. Die aktuellen Medikamente sind in einem Medikamentenplan von der Klinik niedergeschrieben, der die Grundlage für die Medikamentengabe ist. Eine Anpassung der Medikation erfolgt immer in Absprache und durch den behandelnden Arzt. Einige Medikamente müssen bei geplanter Absetzung oder Reduktion ausgeschlichen werden. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind notwendig; diese finden in der Regel über die PIA des jeweiligen Krankenhauses statt.

    Die „Verabreichung von Medikamenten“ (dies bedeutet: den Betreuten das Medikament hinlegen und an die Einnahme erinnern), die Einhaltung von ärztlichen Anweisungen sowie die Wahrnehmung notwendiger Arztbesuche werden durch den Betreuer begleitet.

    Medikamente und Chemikalien sind unter Verschluss. Im Medikamenten-Ordner (digital und analog) wird die Einnahme/Nichteinnahme mit Datum, Name des Medikaments etc. dokumentiert.

    Bei Bedarf klären wir unsere Betreuten „Rund-ums-Medikament“ durch unseren trägerinternen Pharmazeuten auf, welches Wirkungen, Unverträglichkeiten und Risiken bei unregelmäßiger Einnahme beinhaltet.

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  10. Krisenintervention

    Wir betreuen Menschen, bei denen selbstverletzendes und -schädigendes Verhalten, Flashbacks, (Para-)Suizidalität regelmäßig auftreten.

    Es sind keine eigenen Störungsbilder, sondern gehören als Symptome zu psychiatrischen Störungsbildern, wie z.B. bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung oder dissoziativen Störungen. Selbstverletzendes Verhalten zeigt sich in vielen verschiedenen Formen, wie beispielsweise sich Kopfhaare, Augenbrauen rausreißen (Trichotillomanie), Schnittwunden an der Oberfläche, Rasierklingen schlucken. Die Motive sind unterschiedlicher Art und reichen vom Druck abbauen bis hin zum Blutrausch. Bei Flashbacks und oft folgenden Dissoziationen arbeiten wir unter anderem mit Igelbällen, Chillischoten, Ammoniakstäbchen. Tritt (Para)Suizidalität auf, wird die ortsansässige Psychiatrie mit hinzugezogen, und es wird geschaut, ob sich der Betroffene glaubhaft von der Suizidalität distanzieren kann; gegebenenfalls erfolgt zunächst eine Notfallaufnahme im Krankenhaus.

    Grundlage unseres Handelns in diesen Bereichen ist unser Kriseninterventionskonzept, welches die Vorgehensweise und Abläufe beschreibt.

    Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Psychiatrien und  Psychotherapeuten 

    Die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Form von Fachgesprächen und -beratungen mit den psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgungsstellen sehen wir als essentiell wichtig für den weiteren Krankheitsverlauf an. Wir sprechen die individuelle Vorgehensweise ab und supervidieren regelmäßig die Fälle in Fallbesprechungen.

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  11. Belastenden Erfahrungen

    Oft haben unsere Betreuten das Bedürfnis über ihre meist extrem belastende Vergangenheit zu sprechen.

    Dabei werden die Betreuten aufgefangen. Aktives Zuhören steht zunächst im Vordergrund. Wir üben die Distanzierung und setzen Techniken wie die Bildschirm-Beobachtertechnik ein.

    Entscheidend ist, die Bereiche Verhalten, Gefühle, Körper-Erleben und Gedanken (BASK-Modell), die durch die traumatische Erfahrung auseinandergedriftet sind, wieder zu integrieren. Viele unserer Betreuten leiden unter Scham- und Schuldgefühlen, die es gilt loszulassen. Hierbei arbeiten wir therapieunterstützend.

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  12. Kognitive Umstrukturierung

    Lernen wird in diesem Zusammenhang als Bildung von Erwartungsmustern über Situationen bzw. Reaktionen aufgefasst.

    Dabei spielen kognitive Prozesse der Wahrnehmung, der Bildung von Regeln und der Schaffung sinnvoller Assoziationen, Gedächtnis- und Informationsverarbeitungsmechanismen (z.B. Denken, Problemlösen, Handeln), Filterung von Erfahrungen, der Bildung von Symbolen eine wichtige Rolle.

    Kognitionen haben große Bedeutung für das persönliche Verhalten und Erleben.

    Im Vordergrund steht die Herausarbeitung ungeschickter automatisierter Kognitionen, die für beeinträchtigende, emotionale Reaktionen verantwortlich sind. Die Korrektur dieser dysfunktionalen automatischen Gedanken wird als entscheidende Hilfe angesehen.

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  13. Selbstwirksamkeit / Selbsteffizienz

    Eine wichtige Variable ist die Selbstwirksamkeitserwartung. Selbstwirksamkeit ist ein zentraler Treiber und Motivator für eine mögliche Verhaltensänderung.

    Die Erwartung, dass man in einer (problematischen) Situation in der Lage ist, effizientes Verhalten zu zeigen, bildet einen bedeutenden kognitiven Mediator für Verhalten. Umgekehrt kann ein anhaltendes Gefühl von Hilflosigkeit zu Depression und anderen Störungen führen. Durch Veränderung konkreter Verhaltensweisen kann die Erfahrung gemacht werden, dass Situationen durch eigenes Verhalten in erwünschter Weise beeinflusst werden können. Die kognitive Komponente der Selbsteffizienz spielt im pädagogischen/therapeutischen Prozess eine entscheidende Rolle.

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  14. Attributionen / Reattribuierung

    Wir schreiben bestimmten Ereignissen, die uns belasten oder bewegen, jeweils Ursachen, Gründe und Erklärungen zu, sogenannten Attributionen.

    Abhängig davon, ob man die Ursachen für beeinflussbar bzw. kontrollierbar hält oder nicht, wird Verantwortung für eine Handlung akzeptiert oder abgelehnt. Es kann zu Attributionsfehlern kommen, in dem nicht vorhandene oder mangelnde Informationen über soziale Ereignisse oder über andere Personen durch eigene Erfahrungen und Vorstellungen ergänzt und verzerrt werden. Entsprechend arbeiten wir an diesen Zuschreibungsfehlern.

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  15. Gesundheitliche Versorgung

    Die Betreuten werden für einen ganzheitlichen, gesundheitsbewussten Umgang mit Körper, Geist und Seele sensibilisiert, welcher auch Psychoedukation und Psychohygiene beinhaltet.

    Weitere Bereiche in der Gesundheitsfürsorge sind die Sexualerziehung (Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, Umgang mit Sexualität etc.) sowie Aufklärung über psychotrope Substanzen und deren schädlichen Gebrauch.

    Generell zielt die Gesundheitserziehung auf den Erhalt und ggf. Wiederherstellung des körperlichen und psychischen Wohlbefindens durch regelmäßige und ausgewogene Ernährung, Bewegung und Hygiene, Vermittlung zusätzlicher medizinischer und therapeutischer Angebote, ausreichend Schlafzeiten, angemessenen Umgang mit neuen Medien, Suchtmitteln und Krankheiten.

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  16. Systemischer Ansatz

    Unsere Grundhaltung in der systemischen Arbeit ist gekennzeichnet durch Ressourcenorientierung und Allparteilichkeit, also das Bemühen möglichst allen Familienmitgliedern Verständnis entgegenzubringen, auch den Abwesenden.

    Wir erarbeiten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen Lösungen für ihre momentane Situation und ihre Person, die passend und realistisch sind. Die bereits vorhandenen und bewährten Bewältigungsstrategien im Umgang mit Konflikten und Problemen werden von uns geachtet und genutzt. Zunächst verstehen wir unangemessene Verhaltensweisen als Hilfesuche und Lösungsversuche.

    Wir sehen die Familie als Gesamtsystem und berücksichtigen und nutzen die Dynamik, dass alle Faktoren und Veränderungen, die ein Familienmitglied betreffen, auch Auswirkungen auf alle anderen haben. Die Störung eines Familienmitglieds fassen wir nicht als individuelles Problem auf, sondern als Symptom dysfunktionaler Interaktionen.

    Durch die Lebenswelt- und Sozialraumorientierung in unserer Arbeit nehmen wir eine Perspektive ein, die an den subjektiven Sichtweisen, Bedürfnissen und Ressourcen der Kinder, Jugendlichen und ihrer Familien in ihrem jeweiligen Lebensraum anknüpft, die entsprechenden Normen und Werte berücksichtigt und einbezieht.
    Eine tragfähige und vertrauensvolle Beziehung zu dem Kind/Jugendlichen und dessen Familie ist die Basis der gemeinsamen Arbeit und auch Prädikator für den Veränderungserfolg. So kann ein wachstumsförderndes Klima erzeugt werden; Reflexion und Weiterentwicklung wird ermöglicht.

    Unser Arbeitsschwerpunkt liegt in der Gegenwart, also im „Hier und Jetzt“, unter Berücksichtigung der jeweiligen Biographie der Kinder/Jugendlichen und deren Familien.

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  17. Eltern-/Familienarbeit

    Wir sehen Eltern- und Familienarbeit als integrierten, zentralen Bestandteil unserer Arbeit, die kontinuierlich und zielgerichtet stattfinden sollte.

    Dabei setzen wir auf eine Beteiligung der Eltern und der Familien bzw. des familiären Umfelds der Betreuten.
    Wir fassen verschiedene Bereiche unter dem Begriff Elternarbeit zusammen, z.B. Erzieheraktivitäten, die mit Familienangehörigen des Betreuten zu tun haben, Gespräche mit dem Kind über seine Familie, Kontakt zwischen Kind und Eltern selbst, konkrete Unterstützung der Eltern, damit sich ihr Erziehungsverhalten verbessert. Generell verstehen wir unter Elternarbeit alle Kontakte zwischen Eltern, pädagogischen Fachkräften der Einrichtung und Kindern/Jugendlichen. Elternarbeit kann aber auch den Kontakt zu allen anderen Familienmitgliedern beschreiben, sofern sie eine Beziehung zu dem Kind haben. Wir nutzen hier den Begriff der Familienarbeit.

    Als allgemeines Ziel der Elternarbeit verstehen wir, den Kontakt zwischen Kind und Eltern herzustellen, zu erneuern oder zu vertiefen sowie die Eltern zu einem Prozess zu aktivieren und zu unterstützen, bei dem sie ihre Situation erkennen und erlernen, wie sie ihr Kind erziehen und gemeinsam Handlungsalternativen entwickeln können.

    Wenn Jugendliche keinen Kontakt mehr zu ihren leiblichen Eltern haben, sprechen wir von Elternarbeit ohne Eltern, z. B. wenn die Eltern im Ausland leben oder die Verhältnisse bei den Eltern für den Jugendlichen gefährdend sind. Hier sollte Elternarbeit eine realistische Auseinandersetzung des Jugendlichen mit seiner Vergangenheit leisten und anschließend eine neue Lebensperspektive entwickelt werden. Die Jugendlichen sollten lernen mit ihrer Vergangenheit abzuschließen, da diese sonst ihren weiteren Werdegang behindern kann. Arbeit mit der Vorstellungskraft (Imaginationsübungen) kann hier hilfreich sein, Fotos und Nachrichten können zusammen angesehen werden, Gespräche können geführt werden, eventuell auftretende Schuld- oder Hassgefühle können abgebaut werden und positive emotionale, zwischenmenschliche Beziehungen können aufgebaut werden.

    Sowohl für den Jugendlichen als auch für die Eltern kann die Herausnahme aus der Familie und Unterbringung in einem Heim ein traumatisches Erlebnis bedeuten und mit Gefühlen von Schuld, Versagen, Angst, Trauer und Trennungsschmerz begleitet sein. Durch die Elternarbeit besteht die Möglichkeit die Trennung psychisch zu verarbeiten und eine positive Haltung dem Heim gegenüber einzunehmen; so kann der Heimaufenthalt für beide Seiten von Vorteil sein kann.  Auch werden die Eltern zu Festen und Feiern in die Wohngemeinschaft eingeladen. Es können sich Gespräche entwickeln, die ein besseres Kennenlernen ermöglichen und neue Möglichkeiten oder andere Sichtweisen eröffnen. So ist es möglich, dass Eltern Erfahrungen austauschen, sich selbst reflektieren und neue Perspektiven entwickeln.

    Generell ist festzuhalten, dass Elternarbeit in vielen verschiedenen Methoden / Formen geleistet werden kann und dass die unterschiedlichen Einflussfaktoren berücksichtigt werden müssen. Unsere Vorgehensweisen sind individuell auf die Betroffenen und deren Familie abgestimmt. Allgemeine Grundlage sind die Kenntnisse über die Biografien und die Orientierung an den Ressourcen.

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  1. Betreuungssystem

    Die Basis für eine gelingende Betreuungsarbeit ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Betreuern und Betreuten.

    Diese kann durch Kontinuität von verlässlichen, kompetenten, festen Bezugspersonen aufgebaut werden, deren Arbeit geprägt ist von einer humanistischen, ganzheitlichen Grundeinstellung mit liebevoller Zuwendung bei gleichzeitiger konsequenter Haltung und professioneller Distanz. Die Betreuer stehen als Sozialisationspartner zur Verfügung.

    Wertschätzende und respektvolle Umgangsweisen zwischen den Fachkräften des Trägers und den Betreuten werden gefördert.

    Die Qualität längerfristiger stabiler Beziehungen fördert die sozialen Beziehungen und die soziale Interaktion der Betroffenen.

    In unserem transparenten Arbeitsstil teilen wir den Betreuten anstehende Schritte mit und beteiligen sie an der Hilfeplanung und am Hilfeprozess. Es werden gemeinsam Ziele erarbeitet. Wir fördern in unserem ressourcenorientierten Ansatz die Fähigkeiten und Stärken der Betroffenen; Auseinandersetzen mit wichtigen Lebensthemen sowie Reflektieren der eigenen Verhaltensmuster werden in Gesprächen thematisiert.
    Die intensive Betreuungsarbeit soll die Basis für eine langfristige, positive Entwicklung der Betreuten ermöglichen.

  2. Individualität

    Unsere Zielgruppe erfordert eine individualpädagogische Herangehensweise in der Betreuung.

    Durch die ausführliche Anamnese, die vor Aufnahme bei uns durch unsere Psycholog_innen durchgeführt wird, erfahren wir auch meist die vorherrschenden Symptome. Wir versuchen durch eine individuelle Vorgehensweise, Trigger, Dekompensationen und unkontrollierte Dissoziationen zu vermeiden. Wir erstellen kein starres Regelwerk, an welches sich die Betroffenen anzupassen haben, sondern suchen gemeinsam nach Lösungen, die die Ressourcen der jungen Menschen erkennen und fördern und somit eine positive Entwicklung angeregt wird.

    Viele unserer Betreuten bringen schon Therapieerfahrung mit und haben schon mehrere Klinikaufenthalte (offene sowie geschlossene Unterbringungen) hinter sich. Unter Berücksichtigung der Krankheitsgeschichte und bereits stattgefundener Interventionen, passen wir unsere Arbeit mit den Betreuten an.

  3. Ressourcenaktivierung

    Bei unserer Herangehensweise werden die traumatischen Erlebnisse selbst nicht in den Vordergrund gerückt, und der Blick wird nicht auf das Schwere gerichtet, sondern liegt auf den Ressourcen.

    Wir wissen, dass das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, mehr Raum und Bedeutung gewinnt als der Rest. Deshalb legen wir bei unserer Arbeit den Fokus auf die Ressourcen, die Fähigkeiten und Selbstheilungskräfte der Betroffenen, anstatt auf die Defizite. Menschen, die sehr Schweres, Lebensbedrohliches erleben mussten und überlebt haben, haben immer Wege und Fähigkeiten entwickelt, wie sie mit dem Schweren umgehen können – sonst würden sie nicht mehr leben. Deshalb erfragen und beobachten wir die Möglichkeiten, einzigartigen Kraftquellen, Problem- und Lösungswege, die die Einzelnen entwickelt haben, um mit und nach dem Trauma leben zu können unter Einbeziehung des vorhandenen Wissens über psychische und körperliche Zusammenhänge.

  4. Stabilisierung

    Stabilisierungsarbeit ist von großer Bedeutung bei unseren Betreuten und ist Hauptbestandteil unserer täglichen Arbeit.

    Hier geht es um die äußerliche und innere Sicherheit sowie die Sicherheit in den pädagogischen Beziehungen. Bei einer ausführlichen, altersentsprechenden Psychoedukation sprechen wir offen mit unseren Betreuten über psychische Störungen und deren Folgen. In Gesprächen werden Ursachen, Symptome der Störungsbilder und Interventionsmöglichkeiten vermittelt. Das Verstehen und die Zusammenhänge von Verhaltensweisen und Symptomatiken der psychischen Störungen schafft oft Erleichterung für die Betroffenen und wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Das Verständnis füreinander wird gefördert; ein Erfahrungsaustausch mit den Betroffenen wird angeregt und somit die Betreuungsarbeit nachhaltig gestaltet.

  5. Gesunder Tag-Nacht-Rhythmus und Heranführung an Alltagsaufgaben; Steigerung der Alltagskompetenz und Erlangen eines strukturierten Tagesablaufs

    Ein großer Teil unserer Betreuten leidet an Störungen des zirkadianen Rhythmus.

    Der endogene Schlaf-Wach-Rhythmus und der äußere Licht-Dunkel-Zyklus laufen versetzt ab. Oft führt diese Insomnie zu exzessiver Schläfrigkeit tagsüber; hinzu können hormonelle Veränderungen sowie Übelkeit, Unwohlsein, Reizbarkeit auftreten. Auch treten gehäuft Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen auf.

    Um diesen Problematiken entgegenzusteuern, versuchen wir gemeinsam mit den Betreuten an einem strukturierten Tagesablauf zu arbeiten. Dieser soll gekennzeichnet sein mit immer wiederkehrenden Ritualen, Regeln, Aufgaben und Standardsituationen, die Sicherheit und Orientierung geben und der Erfüllung der Grundbedürfnisse dienen. Regeln können erlernt und ausprobiert werden, wir bieten dafür einen geschützten Rahmen und ein Lernfeld für Beziehungsgestaltung. Wir versuchen die Alltagskompetenz zu fördern, indem wir die jungen Menschen in die Alltagsanforderungen mit einbeziehen. Die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die aktuelle Syptomlage der Betreuten sind hier das Maß der Einbeziehung. Mit Unterstützung der Betreuer übernehmen die jungen Menschen so viel wie möglich der anfallenden Alltagsanforderungen selbst.

  6. Medikamente: Aufklärung, Vergabe, Einnahme, Ausschleichen

    Der überwiegende Teil unserer Betreuten nimmt täglich Psychopharmaka ein.

    Diese sind meist Antipsychotika, Antidepressiva sowie Bedarfsmedikationen. Die aktuellen Medikamente sind in einem Medikamentenplan von der Klinik niedergeschrieben, der die Grundlage für die Medikamentengabe ist. Eine Anpassung der Medikation erfolgt immer in Absprache und durch den behandelnden Arzt. Einige Medikamente müssen bei geplanter Absetzung oder Reduktion ausgeschlichen werden. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind notwendig; diese finden in der Regel über die PIA des jeweiligen Krankenhauses statt.

    Die „Verabreichung von Medikamenten“ (dies bedeutet: den Betreuten das Medikament hinlegen und an die Einnahme erinnern), die Einhaltung von ärztlichen Anweisungen sowie die Wahrnehmung notwendiger Arztbesuche werden durch den Betreuer begleitet.

    Medikamente und Chemikalien sind unter Verschluss. Im Medikamenten-Ordner (digital und analog) wird die Einnahme/Nichteinnahme mit Datum, Name des Medikaments etc. dokumentiert.

    Bei Bedarf klären wir unsere Betreuten „Rund-ums-Medikament“ durch unseren trägerinternen Pharmazeuten auf, welches Wirkungen, Unverträglichkeiten und Risiken bei unregelmäßiger Einnahme beinhaltet.

  7. Lebensplanung

    Wir legen Wert auf Nachhaltigkeit, auch für die Zeit nach der Beendigung der Hilfe.

    Folgende Methoden haben sich bei uns etabliert:

    • Lebenszielanalyse (den Ist-Zustand erheben und prüfen, Änderungswünsche erheben, Strategien für typische Widerstände etc.)
    • Diagnostik der Lebenszielproblematik (Art, Ursache und Konsequenzen)
    • Lebenszielplanung (den Soll-Zustand erarbeiten, Zielplanung bei fehlenden, zu vielen, irrationalen, widersprüchlichen Zielen, Zielhierarchie erstellen, Zeit- und Energieverteilung bestimmen, Strategien für typische Widerstände.
  8. Umgang mit stoffgebundenen und nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten

    Viele unserer Betreuten haben bereits Erfahrung mit unterschiedlichen Drogen gemacht.

    Wir unterscheiden zwischen stoffgebundenen (z.B. Alkohol, Cannabis) und nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten (z.B. pathologisches Spielen, Internetabhängigkeit). Wir arbeiten in diesem Bereich sowohl präventiv als auch kurativ - gemeinsam mit den jeweils zuständigen Beratungsstellen und Entzugskliniken.

  9. Krisenintervention - Umgang mit selbstverletzendem Verhalten, Flashbacks, (Para-)Suizidalität u.Ä.

    Wir betreuen Menschen, bei denen selbstverletzendes und -schädigendes Verhalten, Flashbacks, (Para-)Suizidalität regelmäßig auftreten.

    Es sind keine eigenen Störungsbilder, sondern gehören als Symptome zu psychiatrischen Störungsbildern, wie z.B. bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung oder dissoziativen Störungen. Selbstverletzendes Verhalten zeigt sich in vielen verschiedenen Formen, wie beispielsweise sich Kopfhaare, Augenbrauen rausreißen (Trichotillomanie), Schnittwunden an der Oberfläche, Rasierklingen schlucken. Die Motive sind unterschiedlicher Art und reichen vom Druck abbauen bis hin zum Blutrausch. Bei Flashbacks und oft folgenden Dissoziationen arbeiten wir unter anderem mit Igelbällen, Chillischoten, Ammoniakstäbchen. Tritt (Para)Suizidalität auf, wird die ortsansässige Psychiatrie mit hinzugezogen, und es wird geschaut, ob sich der Betroffene glaubhaft von der Suizidalität distanzieren kann; gegebenenfalls erfolgt zunächst eine Notfallaufnahme im Krankenhaus.

    Grundlage unseres Handelns in diesen Bereichen ist unser Kriseninterventionskonzept, welches die Vorgehensweise und Abläufe beschreibt.

    Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Psychiatrien und  Psychotherapeuten 

    Die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Form von Fachgesprächen und -beratungen mit den psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgungsstellen sehen wir als essentiell wichtig für den weiteren Krankheitsverlauf an. Wir sprechen die individuelle Vorgehensweise ab und supervidieren regelmäßig die Fälle in Fallbesprechungen.

  10. Systemischer Ansatz

    Unsere Grundhaltung in der systemischen Arbeit ist gekennzeichnet durch Ressourcenorientierung und Allparteilichkeit, also das Bemühen möglichst allen Familienmitgliedern Verständnis entgegenzubringen, auch den Abwesenden.

    Wir erarbeiten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen Lösungen für ihre momentane Situation und ihre Person, die passend und realistisch sind. Die bereits vorhandenen und bewährten Bewältigungsstrategien im Umgang mit Konflikten und Problemen werden von uns geachtet und genutzt. Zunächst verstehen wir unangemessene Verhaltensweisen als Hilfesuche und Lösungsversuche.

    Wir sehen die Familie als Gesamtsystem und berücksichtigen und nutzen die Dynamik, dass alle Faktoren und Veränderungen, die ein Familienmitglied betreffen, auch Auswirkungen auf alle anderen haben. Die Störung eines Familienmitglieds fassen wir nicht als individuelles Problem auf, sondern als Symptom dysfunktionaler Interaktionen.

    Durch die Lebenswelt- und Sozialraumorientierung in unserer Arbeit nehmen wir eine Perspektive ein, die an den subjektiven Sichtweisen, Bedürfnissen und Ressourcen der Kinder, Jugendlichen und ihrer Familien in ihrem jeweiligen Lebensraum anknüpft, die entsprechenden Normen und Werte berücksichtigt und einbezieht.
    Eine tragfähige und vertrauensvolle Beziehung zu dem Kind/Jugendlichen und dessen Familie ist die Basis der gemeinsamen Arbeit und auch Prädikator für den Veränderungserfolg. So kann ein wachstumsförderndes Klima erzeugt werden; Reflexion und Weiterentwicklung wird ermöglicht.

    Unser Arbeitsschwerpunkt liegt in der Gegenwart, also im „Hier und Jetzt“, unter Berücksichtigung der jeweiligen Biographie der Kinder/Jugendlichen und deren Familien.

  11. Auseinandersetzen mit belastenden Erfahrungen

    Oft haben unsere Betreuten das Bedürfnis über ihre meist extrem belastende Vergangenheit zu sprechen.

    Dabei werden die Betreuten aufgefangen. Aktives Zuhören steht zunächst im Vordergrund. Wir üben die Distanzierung und setzen Techniken wie die Bildschirm-Beobachtertechnik ein.

    Entscheidend ist, die Bereiche Verhalten, Gefühle, Körper-Erleben und Gedanken (BASK-Modell), die durch die traumatische Erfahrung auseinandergedriftet sind, wieder zu integrieren. Viele unserer Betreuten leiden unter Scham- und Schuldgefühlen, die es gilt loszulassen. Hierbei arbeiten wir therapieunterstützend.

  12. Erlangen von Selbstwirksamkeit und Selbsteffizienz

    Eine wichtige Variable ist die Selbstwirksamkeitserwartung. Selbstwirksamkeit ist ein zentraler Treiber und Motivator für eine mögliche Verhaltensänderung.

    Die Erwartung, dass man in einer (problematischen) Situation in der Lage ist, effizientes Verhalten zu zeigen, bildet einen bedeutenden kognitiven Mediator für Verhalten. Umgekehrt kann ein anhaltendes Gefühl von Hilflosigkeit zu Depression und anderen Störungen führen. Durch Veränderung konkreter Verhaltensweisen kann die Erfahrung gemacht werden, dass Situationen durch eigenes Verhalten in erwünschter Weise beeinflusst werden können. Die kognitive Komponente der Selbsteffizienz spielt im pädagogischen/therapeutischen Prozess eine entscheidende Rolle.

  13. Arbeit an den Kognitionen – kognitive Umstrukturierung

    Lernen wird in diesem Zusammenhang als Bildung von Erwartungsmustern über Situationen bzw. Reaktionen aufgefasst.

    Dabei spielen kognitive Prozesse der Wahrnehmung, der Bildung von Regeln und der Schaffung sinnvoller Assoziationen, Gedächtnis- und Informationsverarbeitungsmechanismen (z.B. Denken, Problemlösen, Handeln), Filterung von Erfahrungen, der Bildung von Symbolen eine wichtige Rolle.

    Kognitionen haben große Bedeutung für das persönliche Verhalten und Erleben.

    Im Vordergrund steht die Herausarbeitung ungeschickter automatisierter Kognitionen, die für beeinträchtigende, emotionale Reaktionen verantwortlich sind. Die Korrektur dieser dysfunktionalen automatischen Gedanken wird als entscheidende Hilfe angesehen.

  14. Gesundheitliche Versorgung

    Die Betreuten werden für einen ganzheitlichen, gesundheitsbewussten Umgang mit Körper, Geist und Seele sensibilisiert, welcher auch Psychoedukation und Psychohygiene beinhaltet.

    Weitere Bereiche in der Gesundheitsfürsorge sind die Sexualerziehung (Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, Umgang mit Sexualität etc.) sowie Aufklärung über psychotrope Substanzen und deren schädlichen Gebrauch.

    Generell zielt die Gesundheitserziehung auf den Erhalt und ggf. Wiederherstellung des körperlichen und psychischen Wohlbefindens durch regelmäßige und ausgewogene Ernährung, Bewegung und Hygiene, Vermittlung zusätzlicher medizinischer und therapeutischer Angebote, ausreichend Schlafzeiten, angemessenen Umgang mit neuen Medien, Suchtmitteln und Krankheiten.

  15. Attributionen und Reattribuierung

    Wir schreiben bestimmten Ereignissen, die uns belasten oder bewegen, jeweils Ursachen, Gründe und Erklärungen zu, sogenannten Attributionen.

    Abhängig davon, ob man die Ursachen für beeinflussbar bzw. kontrollierbar hält oder nicht, wird Verantwortung für eine Handlung akzeptiert oder abgelehnt. Es kann zu Attributionsfehlern kommen, in dem nicht vorhandene oder mangelnde Informationen über soziale Ereignisse oder über andere Personen durch eigene Erfahrungen und Vorstellungen ergänzt und verzerrt werden. Entsprechend arbeiten wir an diesen Zuschreibungsfehlern.

  16. Problemlösetraining / Konfliktmanagement

    Probleme und Konflikte mit der sozialen Umwelt gehören zu den Symptomen der Störungsbilder, die unsere Betreuten mitbringen.

    Das Problemlösetraining und Konfliktmanagement stellt einen weiteren wichtigen Baustein unserer Arbeit dar.

    Gemeinsam erarbeiten wir Strategien zur Bewältigung von Konflikten mit der sozialen Umwelt.

  17. Eltern-/Familienarbeit

    Wir sehen Eltern- und Familienarbeit als integrierten, zentralen Bestandteil unserer Arbeit, die kontinuierlich und zielgerichtet stattfinden sollte.

    Dabei setzen wir auf eine Beteiligung der Eltern und der Familien bzw. des familiären Umfelds der Betreuten.
    Wir fassen verschiedene Bereiche unter dem Begriff Elternarbeit zusammen, z.B. Erzieheraktivitäten, die mit Familienangehörigen des Betreuten zu tun haben, Gespräche mit dem Kind über seine Familie, Kontakt zwischen Kind und Eltern selbst, konkrete Unterstützung der Eltern, damit sich ihr Erziehungsverhalten verbessert. Generell verstehen wir unter Elternarbeit alle Kontakte zwischen Eltern, pädagogischen Fachkräften der Einrichtung und Kindern/Jugendlichen. Elternarbeit kann aber auch den Kontakt zu allen anderen Familienmitgliedern beschreiben, sofern sie eine Beziehung zu dem Kind haben. Wir nutzen hier den Begriff der Familienarbeit.

    Als allgemeines Ziel der Elternarbeit verstehen wir, den Kontakt zwischen Kind und Eltern herzustellen, zu erneuern oder zu vertiefen sowie die Eltern zu einem Prozess zu aktivieren und zu unterstützen, bei dem sie ihre Situation erkennen und erlernen, wie sie ihr Kind erziehen und gemeinsam Handlungsalternativen entwickeln können.

    Wenn Jugendliche keinen Kontakt mehr zu ihren leiblichen Eltern haben, sprechen wir von Elternarbeit ohne Eltern, z. B. wenn die Eltern im Ausland leben oder die Verhältnisse bei den Eltern für den Jugendlichen gefährdend sind. Hier sollte Elternarbeit eine realistische Auseinandersetzung des Jugendlichen mit seiner Vergangenheit leisten und anschließend eine neue Lebensperspektive entwickelt werden. Die Jugendlichen sollten lernen mit ihrer Vergangenheit abzuschließen, da diese sonst ihren weiteren Werdegang behindern kann. Arbeit mit der Vorstellungskraft (Imaginationsübungen) kann hier hilfreich sein, Fotos und Nachrichten können zusammen angesehen werden, Gespräche können geführt werden, eventuell auftretende Schuld- oder Hassgefühle können abgebaut werden und positive emotionale, zwischenmenschliche Beziehungen können aufgebaut werden.

    Sowohl für den Jugendlichen als auch für die Eltern kann die Herausnahme aus der Familie und Unterbringung in einem Heim ein traumatisches Erlebnis bedeuten und mit Gefühlen von Schuld, Versagen, Angst, Trauer und Trennungsschmerz begleitet sein. Durch die Elternarbeit besteht die Möglichkeit die Trennung psychisch zu verarbeiten und eine positive Haltung dem Heim gegenüber einzunehmen; so kann der Heimaufenthalt für beide Seiten von Vorteil sein kann.  Auch werden die Eltern zu Festen und Feiern in die Wohngemeinschaft eingeladen. Es können sich Gespräche entwickeln, die ein besseres Kennenlernen ermöglichen und neue Möglichkeiten oder andere Sichtweisen eröffnen. So ist es möglich, dass Eltern Erfahrungen austauschen, sich selbst reflektieren und neue Perspektiven entwickeln.

    Generell ist festzuhalten, dass Elternarbeit in vielen verschiedenen Methoden / Formen geleistet werden kann und dass die unterschiedlichen Einflussfaktoren berücksichtigt werden müssen. Unsere Vorgehensweisen sind individuell auf die Betroffenen und deren Familie abgestimmt. Allgemeine Grundlage sind die Kenntnisse über die Biografien und die Orientierung an den Ressourcen.

  18. Bildung und Beruf

    Unterstützung in schulischen/beruflichen Belangen

    Wir begleiten und fördern die jungen Menschen bei ihrem Schulbesuch bzw. ihrer Ausbildung bzw. beruflichen Tätigkeit, damit sie den Anforderungen besser gewachsen sind.

    Hausaufgabenbetreuung sowie Vor- und Nachbereitung der schulischen/beruflichen Themen sind Teile der Alltagsstruktur.

    Eine weitere Aufgabe des Trägers ist, darauf hinzuwirken, dass die Betroffenen eine Chance zur beruflichen Integration erhalten. Diese umfasst insbesondere berufliche Orientierung, Berufsfindung und Berufsvorbereitung sowie Entscheidung über die geeignete Ausbildungs- oder Arbeitsstelle durch entsprechende Leistungsangebote. Somit wird Arbeitslosigkeit vermieden und Benachteiligungen abgebaut.

    Weitere Arbeitsschwerpunkte sind Arbeitsmotivation, Selbstbild, Stressbewältigung und Frustrationstoleranz.

    Eine gute Zusammenarbeit mit den (Ausbildungs-)Betrieben ist Bestandteil unserer Netzwerkarbeit.

    Hausbeschulung/Bildungsmaßnahmen

    Oft sind unsere Betreuten aufgrund der vorliegenden psychiatrischen Störungsbilder und den damit zusammenhängenden Symptomen und Verhaltensweisen nicht in der Lage, an einem regulären Schulunterricht teilzunehmen bzw. einer Bildungsmaßnahme nachzugehen.

    Eine individuell angemessene Beschulung bzw. Bildungsmaßnahme, die die vorliegende Erkrankung mitberücksichtigt, wird gemeinsam gesucht und erprobt. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die jungen Menschen Zuhause beschult werden.

    Unsere Betreuten haben in der Regel eine 35a-Anerkennung; einige haben bereits einen Schwerbehindertenausweis oder zumindest einen Feststellungsbescheid über eine Schwerbehinderung. Dadurch ist der Zugang zu speziellen Bildungsmaßnahmen erleichtert. Wir arbeiten mit den Reha-Abteilungen der Agentur für Arbeit zusammen; angestrebt werden hierüber beispielsweise theoriereduzierte Ausbildungen.

Träger der Jugend- und Eingliederungshilfe

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